Staatstheater / O-Ton

Interaktives Chaos macht Spaß

Zischen, gurgeln, piepsen, hysterisches Lachen, rubbeln, klopfen, klatschen, pfeifen, stampfen, klappern, staubsaugen … und weitere hunderte von Geräuschen werden im Staatstheater zusammengeführt. Fast wie im richtigen Leben. Das 1971 uraufgeführte Stück wird jetzt vom Opera Lab in Berlin in einer von Evan Gardner erarbeiteten Fassung im Ballhaus Ost auf die Bühne gebracht.

[…]

Mit hunderten von alltäglichen Geräuschen kreiert Evan Gardner eine neue Fassung des Werkes. Regisseur Michael Höppner weiß, wie man auf jedes Geräusch reagieren kann. Günter H.W. Lemke gibt den zwei Hauptakteuren würdige, klassische Roben, die sie als betagte Opernbesucher in Frack und Abendkleid oder als Könige der Antike mit phantasievollen Kronen aus Aluminiumfolie und Plastikperlen bekleiden. Die ewige Jugend springt im pfiffigen weißen Tennis-Dress herum. Das sparsame Bühnenbild von Martin Miotk und Cristina Lelli lässt sich je nach Richtung und Aufgabe verlagern.

Catherine Gayer und Klaus Lang – ehemals langjährige Mitglieder der Deutschen Oper – füllen ihre Charaktere mit Persönlichkeit und Würde aus.

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Am Ende applaudiert das Publikum sich selbst und den nicht nur stummen Darstellern sowie – besonders herzlich – den beiden Hauptdarstellern Catherine Gayer und Klaus Lang.  

O-Ton

Zenaida des Aubris

5.5.2017

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Staatstheater / NMZ

Mauricio Kagels szenische Komposition „Staatstheater“, 1967 als Auftragswerk der Hamburgischen Staatoper entstanden und vom Komponisten selbst realisiert, wurde nun von der freien Gruppe Opera Lab mit zwei altgedienten Kämpen der Deutschen Oper Berlin, Catherine Gayer und Klaus Lang in den Hauptpartien, neu zur Diskussion gestellt.

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Die hier allesamt Kagel getreu vertretenen Darstellungsbereiche von Oper, vokaler und instrumentaler Musik, Szene und Tanz werden im Ballhaus zu einem Panoptikum. 

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Die Alte applaudiert dazu von der Bühne aus und initiiert so den allgemeinen freundlichen Premierenapplaus.

Neue Musik Zeitung

Peter Pachl

3.5.2017

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Staatstheater / der Freitag

Opera Lab Berlin stemmt STAATSTHEATER

Mauricio Kagel's Kult-Stück - jetzt im Ballhaus Ost

Mauricio Kagel (1931-2008) ist noch immer Kult! Er war und bleibt der große Spaßmacher unter den Unsterblichkeitskandidaten in der ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgeklappten Neuen Musik.

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Scheinbar völlig ungeordnet und beliebig funktioniert der Ablauf in der Folge, dass man es längst aufgegeben hat, den oder einen tiefen Sinn von Allem zu ergründen - muss man nun nicht mehr: Nein, das Prinzip ist mittlerweile allen ziemlich klar; wo Menschen & Gewerke mit- bzw. ineinander greifen, ist das große Einzelne an sich (DAS Kunstwerk, oder?) selbstverständlich hin. Hinfällig, sozusagen.

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Opera Lab Berlin hat das Staatstheater in entwaffnend-einleuchtender Derbnis und mit hochprofessioneller Musikalität und theatraler Hingabe gestemmt. Sensationeller Hype. Nachnominieren zum THEATERTREFFEN!!! 

der Freitag

Andre Sokolowski

4.5.2017

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Gunfighter Nation / Tagesspiegel

Wilder wilder Westen

18 Sänger und Musiker. Sie suhlen sich in Stereotypen, machen Krach, nerven. Die Opern-Perfomance „Gunfighter Nation“ verballhornt Mythen der USA.

Spätabends im Ballhaus Ost regiert der Wilde Westen: Eine dralle Blondine begrüßt in breitem Südstaaten-Amerikanisch die hereinströmenden Gäste, daneben hantiert ein Cowboy mit seiner Knarre. In der anderen Ecke stehen zwei verschreckte Indianer und schmiegen sich aneinander, als wüssten sie schon, dass sie hier nicht mehr lebend herauskommen.

Man ahnt es schon: Das könnte eine ordentliche White-Trash-Trump-Parodie werden. Tatsächlich handelt es sich aber um die Uraufführung der Opern-Performance „Gunfighter Nation“, die nur am Rande auf die gelaufene Präsidentschaftswahl eingeht. Das kuriose, hochexperimentelle, postdramatische Werk, produziert vom Opera Lab und der Klangwerkstatt Berlin, ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit den Mythen (und den Vulgarismen) der USA in ihrer ganzen bedrohlichen Breite.

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Keine Frage: Dieses Stück will gewaltig auf die Nerven gehen, so sehr wie die USA momentan den Außenstehenden. Stellenweise ist das richtig gut und witzig, was sich Evan Gardner (Komposition) und Michael Höppner (Inszenierung) da zusammengesponnen haben. Auch das Bühnenbild voller glitzernder Amerika-Reliquien ist ein Genuss. 

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Wo Lärm zur Staatsräson wird, bleibt als Ausweg nur die Flucht.

Tagesspiegel

Thomasz Kurianowicz

14.11.2016

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Gunfighter Nation / NMZ

Uraufführung von Evan Gardners Westernoper „Gunfighter Nation“ im Berliner Ballhaus Ost

Opera Lab, der Veranstalter dieser freien Opernproduktion, scheint das Ergebnis der Wahlen in

den USA so und nicht anders erwartet zu haben. Aus dem Wort „Western“ wird „West Earn“ auf goldenen Lettern in der überaus reich aufgepeppten Spielstätte, dem Berliner Ballhaus Ost im Szene-Stadtteil Prenzlauer Berg.

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Originell erweist sich Gardners Partitur im Einsatz von Musikern, die gleichermaßen virtuos schauspielern und singen, ihr Instrument nicht nur auswendig beherrschen, sondern damit auch ungewöhnlich hantieren müssen. Innerhalb des Spiels zwischen heiler Welt, Kampf mit den Ureinwohnern und allgemeiner Anpassung, werden nicht weniger als drei Dirigenten (Manuel Nawri, Antoine Daurat, Musashi Baba) verschlissen. 

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Die in der Wiederholung zumeist arg redundanten Momente der hier versammelten grotesken Trapp- oder auch Trump-Familie hat Michael Höppner im Bühnenraum von Martin Miotk und den bis in die Dessousdetails pretiösen Kostümen von Andy Besuch gekonnt in Szene gesetzt.

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Neue Musik Zeitung

Peter Pachl

12.11.2016

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Gunfighter Nation / bachtrack.com

Progressiv! Expressiv! Musik und Bewegung in der Westernoper Gunfighter Nation des Opera Lab Berlin

Bei der expressiven Westernoper Gunfighter Nation des Opera Lab Berlin, inszeniert von Michael Höppner, geht es nicht um Buffalo Bill, der die amerikanischen Ureinwohner und ihre Bürgerrechte unterstützte, es werden dabei vielmehr die dunklen Seiten des westlich-kulturellen Vandalismus nach dem Motto „Zivilisierung der Wildnis“ ins Visier genommen.

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Die gängige Funktionsaufteilung, dass sich Sänger auf der Bühne befinden und Instrumentalisten im

Orchestergraben sitzen, gilt nicht für diese Oper. In Gunfighter Nation setzt Evan Gardner eine radikale musikalische Gleichberechtigung auf erfreuliche Art und Weise um.

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Zwar wurde zeitgenössische Musik schon öfter mit Bewegung kombiniert, doch die Kluft zwischen Musik und Bewegung war dabei dennoch eindeutig spürbar. Dagegen ist die progressive, in der Tat kluftlose Kombination von Musik und Aktion in der Westernoper Gunfighter Nation durch die Akzentuierung des Schauspielerischen für alle beteiligten Musiker sehr erfolgreich gelungen.

bachtrack.com

Saori Kanemaki

12.11.2016

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triebgesteuert

[…] Tobender Applaus. Die Performer Thorbjörn Björnsson, Angela Braun, Sophie Catherin, Bettina Gfeller, Magnús Hallur Jónsson und Timotheus Maas sowie die Schlagwerker Evdoxia Filippou und Victor Barceló werden gefeiert. Die Regisseurin Eva-Maria Weiß und Ausstatterin Lisa Fütterer betreten mit dem Dirigenten und musikalischen Leiter Antoine Daurat die Bühne. Und das Publikum verlässt selig den Saal.

Das Opera Lab Berlin, ein mehr oder weniger offener Pool an PerformerInnen, RegisseurInnen und KomponistInnen, erarbeitet seit 2013 in loser Folge Musiktheaterabende in Berlin – an verschiedenen Orten, mit wechselnden Besetzungen und Ideen. Ein wunderbares Format, wie sich an diesem Abend im linksalternativen Ackerstadtpalast zeigen sollte. Nicht die auf Jahre geplante Großproduktion verfolgt die Truppe, sondern das im Kleinen erarbeitete Experiment: Offen für unabgesicherte Ideen, improvisatorische Elemente und einen undogmatischen Umgang mit Partituren. Neben der für den Raum passgenau erarbeiteten Inszenierung ist es tatsächlich der formal völlig entspannte Umgang mit Bauckholts Werken, der an dem Abend die Richtung für ein neues Musiktheater weist. Denn die Stücke Bauckholts legen eine Verbindung zur postdigitalen Isolation und Einsamkeit eigentlich nicht nahe. Aber nach dem Abend sind sie unablässlich damit verbunden. Antworten auf das moderne Liebesdilemma bietet der Abend nicht – muss er auch gar nicht, denn er weiß mit unserer Lebens- und Liebessituation aufs Beste, denn mit Humor umzugehen.

Neue Zeitschrift für Musik

Bastian Zimmermann

03/2017

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Radiofeature Deutschlandradio Kultur

„Zeitgenössische Feldforschung. 

Das Opera Lab Berlin“


Sendereihe „Neue Musik“


Auf die Arbeiten des Opera Lab Berlin aufmerksam geworden, hat der Journalist und Künstler Thomas Grötz eine Radiosendung produziert, die am 7. Juni 2016 auf Deutschlandradio Kultur in der Reihe „Neue Musik“ unter dem Titel „Zeitgenössische Feldforschung. Das Opera Lab Berlin“ gesendet wurde. 

Interviews mit Mitgliedern des Ensembles, Ausschnitte aus bisherigen Produktionen und ein weiterführendes Nachdenken über unsere künstlerische Arbeit im Kontext des aktuellen zeitgenössischen Musiktheaters machen das Radiofeature zu einem hörenswerten Porträt des Opera Lab Berlin.

Thomas Grötz

07/06/2016

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Salon Q

"Es macht Spaß, die diversen visuellen und historischen Zitate zu entdecken – die Lady entpuppt sich als Yoko Ono, die Cellistin wird zur Personifizierung von Man Rays Photos und so weiter. Evan Gardner, eigentlich als Komponist bekannt, gibt mit Salon Q sein Regiedebüt. Er setzt sich durchaus amüsant mit der Geschichte des Streichquartetts in den diversen Bildern auseinander, bis hin zur Gegenwart mit E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und den Beatles.

Die Mitglieder des Streichquartetts entwickeln eine subtile Persönlichkeit während des Stückes, durchaus im Zusammenhang mit gängigen Klischees. Nolundi Tschudi gibt eine perfekte Yoko Ono ab – distanziert, selbstverliebt und mit aufgetragener Sinnlichkeit."

www.opernnetz.de

Zenaida des Aubris

12.9.2015

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Macbeth

"Da die beiden getrennten Orchester, die Sciarrinos Partitur verlangt, im Probenraum nicht unterzubringen sind, spielt eines durch die offene Tür von draußen. Wundersame lyrische Korrespondenzen ergeben sich daraus unter den Musikern und Sängern, Echos, skelettierter Ausdruck, Flageoletts und Klappengeräusche, verfremdete oszillierende Klänge.

Die Macht des Tons (etwa des Cellos) dominiert in der Hörlandschaft, die David Robert Coleman beherrscht. Er ist ein Dirigent, der mit der Musik atmet. Hervorragende Partner hat er in der Gruppe Opera Lab Berlin."

Tagesspiegel

Sybill Mahlke

23.6.14

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