ODYSSEY: Dead Men Die / Siegessäule

Das Musiktheaterkollektiv Opera Lab Berlin bringt  eine brisant aktuelle Lesart des antiken Odysseus-Stoffs auf die Bühne.

Unter den Musiktheatergruppen in der freien Szene der Hauptstadt ist die Truppe Opera Lab Berlin zweifellos eine der experimentellsten und erfrischendsten. Der Name ist Programm, das Kollektiv versteht sich als kreatives Labor. Die prall gefüllten, gerne grell gefärbten Stücke der Truppe sind gleichzeitig Oper und Instrumentales Theater, Performance und begehbare Installation. Trash und Camp gehen Hand in Hand mit Satire, spitzer Kritik und beißender Farce. […]

Für sein aktuelles Projekt „Odyssey: Dead Man Die“ knöpft sich das Kollektiv die antike Sagenfigur Odysseus vor. Bei Homer wird er als verwegener Held präsentiert. Opera Lab Berlin hinterfragt dagegen Odysseus schonungslos und macht ihm den Prozess. […]

Gardner arbeitet in seiner Musik für Stimmen, Instrumente und Elektronik mit vielfältigen stilistischen Bezügen, Zitaten aus der Popkultur und aus der Musikgeschichte. Diese Referenzen sind ihm wichtig als deutliche Hinweise auf soziokulturelle Kontexte, die im Stück behandelt werden. Und die sind hochaktuell. Denn die Geschichte um Odysseus wird hier gelesen als ‚Versuch der gewaltsamen und ignoranten Wiederherstellung einer zutiefst krisenhaften und kaputten Gesellschaftsordnung‘, wie Michael Höppner erläutert. Das verspricht kapitalismuskritischen Funkenflug, geschlagen aus der berühmten antiken Sage.

Eckhard Weber

Februar 2020

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ODYSSEY: Dead Men Die / nmz – neue musikzeitung

Seit mittlerweile sechs Jahren stellt das Opera Lab Berlin, 2014 vom Komponisten Evan Gardner und dem Regisseur Michael Höppner gegründet, die Idee einer radikalen musikalischen Gleichberechtigung aller Mitwirkenden in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Wie bei allen seither präsentierten Projekten profitiert auch die Realisierung von Gardners neuestem Musiktheater „Odyssey: Dead Men Die“ von der hierarchielosen Arbeitsweise des Ensembles, der die gemeinsame Verantwortlichkeit bei der Entwicklung aller Aspekte der Aufführung zugrunde liegt. […]

Die Aufführung erweist sich als pralle Theaterfarce voller geglückter Einfälle, die – mit einem Bühnenbild von Martin Miotk und mit Videos von Christian Striboll versehen – von Höppner in Form eines Stationentheaters an unterschiedlichen Spielorten innerhalb des Hauses inszeniert wird. […] Auch hier liefert Gardners Musik mit ihren Wechseln zwischen fein ausgearbeiteten Einschüben und eher grobmaschig strukturierten Passagen den Ausgangspunkt für vielfältige Theateraktionen. […]

Dass dies alles tadellos funktioniert, darf man als große Leistung des Opera Lab verbuchen. Die Aufführung belegt nicht nur, mit welcher Akribie die Mitglieder Gardners musikalische Vorgaben ausgestaltet und zu einem übergeordneten Theatergefüge entwickelt haben. Sie macht auch deutlich, dass das von Shin-Joo Morgantini und Louis Bona geleitete Ensemble den enormen Anforderungen des Aufführungsgefüges – bestehend aus Singen, Sprechen, Musizieren ohne Notentext und Agieren im Verband mit anderen oder solistisch – ohne Abstriche gerecht wird. Problematisch ist das Ergebnis allein dadurch, dass man den Anspielungsreichtum des Musiktheaterabends nicht in seiner Totalität erschließen kann und es eigentlich einer zweiten Aufführung bedürfte, um das Erlebte einordnen zu können. Aber ist das nicht auch ein positives Signal in einer Zeit, die alles immer nur in handliche Häppchen verpacken möchte und im Gegenzug das allzu Sperrige vermeidet?

Stefan Drees

1.2.2020

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ODYSSEY: Dead Men Die / O-Ton – online Musikmagazin

Es ist ein Kernmerkmal des Ensembles, dass alle assoziierten Künstler und Darsteller in sämtlichen performativen Ausdrucksweisen arbeiten. Die Vermittlung von experimenteller Ästhetik mit inhaltlicher Aktualität ist ein primäres Anliegen des Ensembles. Somit wundert es nicht, dass ein so traditionsreiches Thema wie die Rückkehr des Odysseus in der neuen Produktion als musiktheatralische Megafarce behandelt wird. […] Was sich anfänglich als Theater des Absurden anhört und ansieht, erweist sich auf den zweiten Blick doch als beachtliches Unterfangen für dieses kleine Ensemble, das mit viel Enthusiasmus, aber sehr geringen finanziellen Mitteln arbeitet. Schrill und bunt und persönlichkeitsgerecht sind die Kostüme von Hanna Rode. Bühnenbildner Martin Miotk hat die zwei Welten mit einer roten Rampe verbunden, die mal als Brücke, mal als Parolenempore benutzt wird. Filmemacher Christian Striboll visualisiert die schwierige Rückkehr des Odysseus als Marsch durch den Sumpf des Lebens.

Sopran Gina May Walter ist die Kinobetreiberin Penelope, die mit komödiantischem Timing ihr Strohwitwendasein beklagt und dann doch als Furie den Rückkehrer bestraft, bevor sie ihn resigniert wieder akzeptiert. Als Sohn der Kinobetreiberin muss Countertenor Georg Bochow erst mal als Ein-Mann- Orchester-mit-Popcorn-Verkäuferfunktion auftreten, erst danach darf er seine Psychosen als halbverwaistes Kind loswerden. Bariton Martin Gerke ist ein wunderbarer schmieriger Komödiant, der sich in der Rolle des Odysseus durch die Jahrtausende geschlagen hat und sich nun einfach dem Vergnügen hingeben will.

Die Komposition von Evan Gardner ist voller punktueller Referenzen an die Musikgeschichte. Zusätzlich zu den präparierten Celloklängen und anderen elektronischen Einspielungen gibt es Klavierzitate aus Gershwins Rhapsodie in Blue sowie aus Alessandro Scarlattis Oper Il Primo Omicido nebst griechischen Chordeklamationen. Die 15 musizierenden Sirenen sind sowohl für den Gesang als auch für das Musizieren zuständig – dafür ist der musikalischen Leitung von Shin-Joo Morgantini und Louis Bona wie auch Evan Gardner für die Elektronik ein großes Lob auszusprechen, da die Ausführenden ihre Beiträge großenteils aus unterschiedlichen Positionen im Saal bringen. Sehr warmer Applaus für das gesamte Ensemble und die Produktion.

Zenaida des Aubris

1.2.2020

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Songs of Rebellion / O-Ton – online Musikmagazin

Die Revolution frisst ihre Kinder. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine erschreckende. Die wird in Songs of Rebellion verhandelt. […] Großartig, was die Darsteller leisten. Egal, ob sich einzelne in Einzelpositionen produzieren oder die Gruppe den rebellischen Sound gemeinsam erzeugt, aufregend bleibt es von Anfang bis Ende. Ende heißt in diesem Fall, dass Zuschauer auf dem Boden liegen. Der Friedhof am Ende der Rebellion ist riesig. Das stimmt nachdenklich. […] Songs of Rebellion beunruhigt, wirft Fragen und Perspektivlosigkeit auf. Eine ungesunde Mischung. Und vielleicht gerade deshalb ein aufreibendes Stück, das über den Tag hinauswirkt.

Michael Zerban

2.10.2019

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Songs of Rebellion / VAN – Webmagazin für klassische Musik

Während in Hongkong Millionen Menschen auf die Straße gehen und Fridays for Future weltweit zum Protest aufruft, setzen sich die Komponistin Brigitta Muntendorf und der Regisseur Michael Höppner in ihrer aktuellen Produktion Songs of Rebellion performativ mit der teils ambivalenten Beziehung zwischen Protest und Song auseinander. Entwickelt wurde die Performance innerhalb einer von ihnen zusammengestellten ‚Community of Practice‘. Die Premiere zur Eröffnung des Festivals BAM! im Ballhaus Ost polarisiert. Das Kostüm fährt mit aufgemalten Penissen und Antifa-Anleihen kunstvoll und mythisch an der Grenze zum Pubertären entlang, manches ist infantil überladen. Musik und Performance jedoch überzeugen in einer Kraft, die nicht ohne den Blick auf die besondere, kollektive Entstehung des Projektes erklärbar scheint.

Elisa Erkelenz

2.10.2019

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Songs of Rebellion / Neue Zeitschrift für Musik

Als ritualisiertes Aufbegehren stellt Songs of Rebellion (Brigitta Muntendorf / Michael Höppner) den bereits im Titel anklingenden Widerspruch zwischen romantisch verklärten Liedern und gesellschaftskritischer Auflehnung zur Diskussion. Der dystopische Popmusik-W(Gl)eichspüler formt zwar Arbeiterlied und „Punkitüde“ gleichermaßen zu einem faden (Klang-) Bild und entzieht in der Verschränkung von Schuberts Winterreise mit der Internationalen dem jeweils anderen die ästhetische und reflexive Kraft, doch zeichnet sich so ein Spiegel der Zeit ab, der uns von einer „Rebellion“ in die nächste schlittern lässt, ohne einen Umsturz herbeizuführen: Rebellion als romantisch mystifiziertes Ritual irgendwo zwischen Aufbegehren und Gleichgüligkeit.

Fabian Czolbe

November 2019

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Lonely Hearts Bus Tour / SWR2 Journal am Abend

„In der ‚Lonely Hearts Bus Tour‘ sitzen die Besucher im abgedunkelten Bus. Das Opera Lab Berlin lädt zur imaginären Stadtrundfahrt durch ein gentrifiziertes Berlin. Ein Stadtführer im rosa Rattenkostüm besingt die Stadt als Kapitalanlage. Unterwegs lesen sie eine Clubgängerin in Gold-Leggings und Flügeln auf. Die singt ihre Trauer über einen verlorenen Liebhaber heraus und zitiert aus der Offenbarung des Johannes - Gefallener Engel oder Hure Babylon? Ein modernes Oratorium.“

Gerd Brendel

24.09.2018

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Lonely Hearts Bus Tour / Positionen

„Die Teilnahme an der ‚Lonely Hearts Bus Tour‘ (Opera Lab Berlin) bedeutete eine Fahrt in die Berliner Clubwelt. Als Ort dazu diente ein altgedienter Bus, abgestellt am Koppenplatz. Das lonely heart war das eines prototypischen Partygirls, dessen Feierlaune durch Liebesschmerz verursacht und zugleich massiv beeinträchtigt war. Die Folge: eine einstündige Serie von Gefühlsausbrüchen. ‚Next stop: Depression‘, kommentierte ein Mitglied der musizierenden Bus-Crew am Ende sarkastisch.“

Sophia Gustorff

11/2018

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Lonely Hearts Bus Tour / MusikTexte

„Flackernd und dabei brutal zeitgemäß, verlagert das Opera Lab Berlin in seiner Eigenproduktion ‚Lonely Hearts Bus Tour‘ den Selbstfindungstrip einer ganzen Generation junger Berliner in einen ausrangierten und präparierten Bus, in dem das Publikum zusammen mit den Musikern eine Irrfahrt durch die letzten Stadien einer zerbrochenen Beziehung unternimmt. Das Material für die schrille Konfrontation mit den Nöten einer abgehängten Generation findet der Komponist Evan Gardner in den Geschichten über Clubnächte und Drogenexzesse in der nächtlichen Hauptstadt. Der Bus wird zur Chiffre für Entwurzelung und aufoktroyierte Mobilität, die ein Zur-Ruhe- Kommen faktisch ausschließt.“

Patrick Klingenschmidt

11/2018

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Lonely Hearts Bus Tour / nmz

„Mir scheint, dass der Anspruch einer politischen Anteilnahme in den einzelnen Produktionen glattgeschliffen war – mit wenigen gelungenen Ausnahmen: ein zum Theaterraum umfunktionierter und in die Jahre gekommener Bus, abgestellt mitten im hippen Berlin-Mitte, ist in der Tat ein politisches Statement: witzig, subversiv – und pragmatisch.“

Hans-Peter Graf

11/2018

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Lonely Hearts Bus Tour / Theater der Zeit

„Am Koppenplatz fährt der Bus nach Nirgendwo. Die Räder sind aufgebockt, die Scheiben mit Brettern verdeckt. Auch im Inneren erwartet die Fahrgäste ein Ambiente, das, mit Glitzerfolien und Diskokugeln, wenig zu tun hat mit gewöhnlichem Linienverkehr. Was hier beginnt, ist ein Stillstands-Trip zu klassisch durchsetzten Elektro-Sounds. Alba Gentili-Tedeschi an den Keyboards und die Flötistin Shin-Joo Morgantini (im Katzenlook) schaffen eine großstadtkühle musikalische Spur. Die Sopranistin Gina May Walter moderiert mit kristallenen Koloraturen den ersten Halt dieser Stationenreise an: Wut. Folgen werden Leugnen, Depression, Akzeptanz. Um Liebeskummer- und Trauerbewältigung geht es. Ein durchaus dringliches Thema in Berlin. ‚Lonely Hearts Bus Tour’ heißt diese Arbeit der Berliner Gruppe Opera Lab.“

Patrick Wildermann

11/2018

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Wir aus Glas / Süddeutsche Zeitung

„Die sechs Musiker vom Opera Lab Berlin hausen hier so selbstverständlich wie die zwei Sängerpaare, man geht schlafen, duschen, aufs Klo, kocht, feiert beim Dinner die totale Selbstzufriedenheit.“

Egbert Tholl

03.06.2018

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Wir aus Glas / Berliner Morgenpost

„Dabei werden die Musiker des Opera Lab Berlin nicht versteckt, sondern sind auch als Darsteller auf der Bühne präsent, wurden von Kostümbildnerin You-Jin Seo mit Outfits wie lila Badekappe kostümiert.“

Mario Felix Vogt

21.06.2018

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Rollbergidyll / taz

„Das Idyll ist ein Bereich, aber auch Zustand des friedlichen und einfachen Lebens in meist ländlicher Einsamkeit. Dieses fast verloren gegangene Idealbild lässt das Theaterensemble Opera Lab Berlin in ihrem Musiktheaterstück „Rollbergidyll“ wiederaufleben.“

23.06.2018

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Rollbergidyll / Tagesspiegel

„Das abenteuerlustige Opera Lab Berlin belebt die vergessen geglaubte Gattung der Idylle neu. Damit eng verbunden ist die Vorstellung eines mythischen Arkadiens, eines Ortes jenseits aller gesellschaftlichen Zwänge. Spannend also, wenn die Musiker und Performer wild kostümiert und mit Musik von Schubert bis Aperghis in der Rollbergsiedlung bei einem Buffet auf echtes Leben und wahre Neuköllner treffen.“

23.06.2018

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Rollbergidyll / Scenekunst

„Zuwanderer, Kinder und Hausfrauen sind kein Standardpublikum für experimentelles Musiktheater. Wenn ich aber die deutschen Hausfrauen sehe, die sich für diesen Anlass schick gemacht haben und das Buffet voller Neugier und Entzücken essen, während die merkwürdig funkelnde musikalische Theatererzählung stattfindet, stellt sich heraus, dass es etwas gibt, das dieses Publikum in erster Linie vereint: Armut. Als Zuschauer und Kritiker bin ich von ambivalenten Gefühlen erfüllt. Was bedeutet es, die sogenannte ‚Hochkultur‘ in einen Raum zu verfrachten, der für die Schwächsten der Gesellschaft geschaffen wurde? Es wird offensichtlich, dass das Experiment des Opera Lab Berlin die Herausforderung meistert. Dieser Versuch eines Gemeinschaftsprojekts vermeidet glücklicherweise die übliche Falle, die eine jahrhundertealte Kluft zwischen zeitgenössischer Kunst und den ‚Leuten‘ aufreißt. Vielleicht könnte man sich die Performance als eine Art Transformationsritual vorstellen, bei dem Musik, Gesang, Bühnenbild und funkelnde Kostüme dem Ort Kraft verleihen: etwas, bei dem er aus dem grauen, geschäftigen Alltag gerissen wird.“

Liv Kristin Holmberg

29.06.2018

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Was tun? – eine Wunderkammer / tip

„Adorno behauptete, es gäbe kein richtiges Leben im falschen. Aber wie sieht das richtige aus? Das Ensemble Opera Lab Berlin montiert Stücke zeitgenössischer Komponisten wie Helmut Lachenmann, Jennifer Walshe und Brigitta Muntendorf mit Motiven aus Nikolai Tschernyschewskis sozialutopischem Roman ‚Was tun?‘ aus dem Jahr 1863. Darin probieren sich junge Leute an gesellschaftlichen Veränderungen innerhalb einer Wohnkommune.“

11.04.2018

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Was tun? – eine Wunderkammer / Opulens

„Opera Lab Berlin geht es nicht mehr nur um Wohnungspolitik. Es handelt sich vielmehr um einen Überblick über verschiedenen Lebensformen der ‚bürgerlichen Bohème‘. Die Besucher bewegen sich durch die Räume einer Wohnung. In drei Akten werden parallele Nummern für Solo, Duo oder sogar größere Gruppen gespielt. […] Dieses experimentelle Musiktheater speist sich aus drei klar definierten Quellen: dem musikalisch-postdramatischen Theater, der Oper und der zeitgenössischen Kunstmusik. Opera Lab Berlin ist eine Art Experte bei der Erstellung komplexer Gesamtkunstwerke. Die Musik in ‚Was tun? – Eine Wunderkammer‘ ist nicht für die Aufführung komponiert, wie dies im traditionellen Musiktheater der Fall ist. Sie setzt sich stattdessen aus Kompositionen verschiedener Komponisten zusammen, die für das dramaturgische Konzept bestimmt sind und inszenatorisch interpretiert werden. Wenn man möchte, kann man natürlich eine Parallele zwischen dieser Form der vermittelten ‚Armut‘ und der Fähigkeit des Kulturprekariats sehen, im Hyperkapitalismus zu überleben und kreativ zu sein. Die Kunst findet immer neue Wege. Wie wir an der Wohnungspolitik sehen.“

Andreas Engström

20.04.2018

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Staatstheater / der Freitag

„Opera Lab Berlin hat das Staatstheater in entwaffnend-einleuchtender Derbnis und mit hochprofessioneller Musikalität und theatraler Hingabe gestemmt. Sensationeller Hype. Nachnominieren zum THEATERTREFFEN!“

Andre Sokolowski

03.05.2017

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Staatstheater / Neue Musik Zeitung

Mauricio Kagels szenische Komposition „Staatstheater“, 1967 als Auftragswerk der Hamburgischen Staatoper entstanden und vom Komponisten selbst realisiert, wurde nun von der freien Gruppe Opera Lab mit zwei altgedienten Kämpen der Deutschen Oper Berlin, Catherine Gayer und Klaus Lang in den Hauptpartien, neu zur Diskussion gestellt. […] Die hier allesamt Kagel getreu vertretenen Darstellungsbereiche von Oper, vokaler und instrumentaler Musik, Szene und Tanz werden im Ballhaus zu einem Panoptikum. […] Die Alte applaudiert dazu von der Bühne aus und initiiert so den allgemeinen freundlichen Premierenapplaus.

Peter Pachl

03.05.2017

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Staatstheater / O-Ton

„Andockend an die 1971 revolutionären Parolen von Pierre Boulez, man solle doch die Opernhäuser in die Luft sprengen, findet diese Inszenierung unter deren Ruinen statt. […] Mit hunderten von alltäglichen Geräuschemachern kreiert Evan Gardner eine neue Fassung des Werkes. Regisseur Michael Höppner weiß, wie man auf jedes Geräusch reagieren kann, und sei es nur ein naives, gekonntes Augenrollen. Gespannt erwartet der Zuschauer den nächsten Effekt und lauscht den diversen musikalischen und vokalen Kundgebungen.“


Zenaida des Aubris

05.05.2017

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Gunfighter Nation / bachtrack.com

„Bei der expressiven Westernoper Gunfighter Nation des Opera Lab Berlin in der Kooperation mit der Klangwerkstatt Berlin, inszeniert von Michael Höppner, geht es nicht um Buffalo Bill, es werden dabei vielmehr die dunklen Seiten des westlich-kulturellen Vandalismus nach dem Motto ‚Zivilisierung der Wildnis‘ ins Visier genommen. […] In einer konventionellen Oper müssen nur die Sänger ihre Rollen auswendig auf der Bühne darbieten, aber bei dieser Produktion kamen auch den Instrumentalisten gleiche Aufgaben zu. In Gunfighter Nation setzt der Komponist Evan Gardner eine radikale musikalische Gleichberechtigung auf erfreuliche Art und Weise um. […] Immer wieder ist die Rede davon, dass die Neue Musik in einer Sackgasse stecke. Ein Versuch, dieser Sackgasse zu entkommen, ist die Verflechtung mit anderen Genres. Zwar wurde zeitgenössische Musik schon öfter mit Bewegung kombiniert, doch die Kluft zwischen Musik und Bewegung war dabei dennoch eindeutig spürbar. Dagegen ist die progressive, in der Tat kluftlose Kombination von Musik und Aktion in der Westernoper Gunfighter Nation durch die Akzentuierung des Schauspielerischen für alle beteiligten Musiker sehr erfolgreich gelungen.“

Saori Kanemaki

12.11.2016

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Gunfighter Nation / Neue Musik Zeitung

„Opera Lab, der Veranstalter dieser freien Opernproduktion, scheint das Ergebnis der Wahlen in den USA so und nicht anders erwartet zu haben. Aus dem Wort ‚Western‘ wird ‚West Earn‘ auf goldenen Lettern in der überaus reich aufgepeppten Spielstätte, dem Berliner Ballhaus Ost im Szene-Stadtteil Prenzlauer Berg. […] Originell erweist sich Gardners Partitur im Einsatz von Musikern, die gleichermaßen virtuos schauspielern und singen, ihr Instrument nicht nur auswendig beherrschen, sondern damit auch ungewöhnlich hantieren müssen. […] Die Momente der hier versammelten grotesken Trapp- oder auch Trump-Familie hat Michael Höppner im Bühnenraum von Martin Miotk und den bis in die Dessousdetails pretiösen Kostümen von Andy Besuch gekonnt in Szene gesetzt.“

Peter Pachl

12.11.2016

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Gunfighter Nation / Tagesspiegel

„Das könnte eine ordentliche White-Trash-Trump-Parodie werden. Tatsächlich handelt es sich aber um die Uraufführung der Opern-Performance ‚Gunfighter Nation‘, die nur am Rande auf die gelaufene Präsidentschaftswahl eingeht. Das kuriose, hochexperimentelle, postdramatische Werk, produziert vom Opera Lab und der Klangwerkstatt Berlin, ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit den Mythen und den Vulgarismen der USA in ihrer ganzen bedrohlichen Breite. […] Keine Frage: Dieses Stück will gewaltig auf die Nerven gehen, so sehr wie die USA momentan den Außenstehenden.“

Thomasz Kurianowicz

14.11.2016

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Radiofeature Deutschlandradio Kultur

„Zeitgenössische Feldforschung. 

Das Opera Lab Berlin“


Sendereihe „Neue Musik“


Auf die Arbeiten des Opera Lab Berlin aufmerksam geworden, hat der Journalist und Künstler Thomas Grötz eine Radiosendung produziert, die am 7. Juni 2016 auf Deutschlandradio Kultur in der Reihe „Neue Musik“ unter dem Titel „Zeitgenössische Feldforschung. Das Opera Lab Berlin“ gesendet wurde. 

Interviews mit Mitgliedern des Ensembles, Ausschnitte aus bisherigen Produktionen und ein weiterführendes Nachdenken über unsere künstlerische Arbeit im Kontext des aktuellen zeitgenössischen Musiktheaters machen das Radiofeature zu einem hörenswerten Porträt des Opera Lab Berlin.

Thomas Grötz

07/06/2016

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triebgesteuert / Neue Zeitschrift für Musik

„Tobender Applaus. Die Performer Thorbjörn Björnsson, Angela Braun, Sophie Catherin, Bettina Gfeller, Magnús Hallur Jónsson und Timotheus Maas sowie die Schlagwerker Evdoxia Filippou und Victor Barceló werden gefeiert. Die Regisseurin Eva-Maria Weiß und Ausstatterin Lisa Fütterer betreten mit dem Dirigenten und musikalischen Leiter Antoine Daurat die Bühne. Und das Publikum verlässt selig den Saal. Das Opera Lab Berlin, ein mehr oder weniger offener Pool an PerformerInnen, RegisseurInnen und KomponistInnen, erarbeitet seit 2013 in loser Folge Musiktheaterabende in Berlin – an verschiedenen Orten, mit wechselnden Besetzungen und Ideen. Ein wunderbares Format, wie sich an diesem Abend im linksalternativen Ackerstadtpalast zeigen sollte. Nicht die auf Jahre geplante Großproduktion verfolgt die Truppe, sondern das im Kleinen erarbeitete Experiment: Offen für unabgesicherte Ideen, improvisatorische Elemente und einen undogmatischen Umgang mit Partituren.“

Bastian Zimmermann

03/2017

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Salon Q / www.opernnetz.de

"Es macht Spaß, die diversen visuellen und historischen Zitate zu entdecken – die Lady entpuppt sich als Yoko Ono, die Cellistin wird zur Personifizierung von Man Rays Photos und so weiter. Evan Gardner, eigentlich als Komponist bekannt, gibt mit Salon Q sein Regiedebüt. Er setzt sich durchaus amüsant mit der Geschichte des Streichquartetts in den diversen Bildern auseinander, bis hin zur Gegenwart mit E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und den Beatles.

Die Mitglieder des Streichquartetts entwickeln eine subtile Persönlichkeit während des Stückes, durchaus im Zusammenhang mit gängigen Klischees. Nolundi Tschudi gibt eine perfekte Yoko Ono ab – distanziert, selbstverliebt und mit aufgetragener Sinnlichkeit."

Zenaida des Aubris

12.9.2015

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Macbeth / Berliner Zeitung

„Die Instrumentalisten erweitern diesen Klangraum des Hechelns und Zitterns, des Schwellens und Bellens mit großer Kunst und einigem Vergnügen. Sciarrinos Musik packt mit klaren Kontrasten der Situationen, die sich in der Instrumentierung abbilden. Es ist ganz alte psychologische, lautmalerische Musik, die sich durch die Szene unmittelbar mit Sinn erfüllt, eine Szene, die Flimm gestaltet wie den Gaukler-Sommerrummel des Hexenkessel-Hoftheaters.”

23.06.2014

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Macbeth / Tagesspiegel

"Da die beiden getrennten Orchester, die Sciarrinos Partitur verlangt, im Probenraum nicht unterzubringen sind, spielt eines durch die offene Tür von draußen. Wundersame lyrische Korrespondenzen ergeben sich daraus unter den Musikern und Sängern, Echos, skelettierter Ausdruck, Flageoletts und Klappengeräusche, verfremdete oszillierende Klänge.

Die Macht des Tons (etwa des Cellos) dominiert in der Hörlandschaft, die David Robert Coleman beherrscht. Er ist ein Dirigent, der mit der Musik atmet. Hervorragende Partner hat er in der Gruppe Opera Lab Berlin."

Sybill Mahlke

23.06.14

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Macbeth / Financial Times

„Der bizarre Raum verleiht dieser neuen Produktion einen starken Zauber, doch die größte Kraft dieses Abends wohnt der Musik inne. David Robert Coleman leitet die erfahrenen Musiker von Opera Lab Berlin in einer konzentrierten, fesselnden Erzählung der Partitur.“

24.06.2014

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